Weltgebetstag 2025 - Cook-Inseln
"wunderbar geschaffen!"
Eine große Welle machen für die Schöpfung
Wir sind "wunderbar geschaffen!" und die Schöpfung mit uns - was für eine positive Sichtweise vermittelt dieser Titel des Weltgebetstags von Christinnen der pazifischen Cookinseln. Er ist das Leitmotiv der Gottesdienstordnung für den 7. März 2025. Angesichts vielfältiger Krisen fällt es uns in Deutschland vielleicht nicht ganz leicht, das auch über uns zu sagen, selbst wenn wir uns als Gottes Geschöpfe verstehen: "wunderbar geschaffen!". Vielleicht sind wir unzufrieden mit dem eigenen Aussehen, nur weil es nicht perfekt ist. Oder wir sehen bei aller berechtigten Sorge um die Welt nicht mehr, wie wunderbar sie ist.
Auch das Zitat aus Psalm 139, der die vorliegende Gottesdienstordnung wie ein roter Faden durchzieht, will uns mit hineinnehmen in dieses positve Lebensgefühl: "Wunderbar geschaffen!" Trotz allem! Es ist eine Feststellung, ein Glaubenszeugnis, aber auch ein Dank und die Einladung der Geschwister von den Cookinseln, die Welt mit ihren Augen zu sehen, ihnen zuzuhören. Und dabei auch die Kultur der Maori kennenzulernen, der indigenen Bevölkerung.
Auf den ersten Blick sieht es vielleicht so aus, als könnte es den Menschen auf den Cookinseln nur gut gehen: Ringsum blauer Himmel und blaues Meer, Kokospalmen wiegen sich am Stand und die Natur ist reich an exotischen Blumen und Früchten - ein Tropenparadies eben. Dieses Bild zeichnen auch die Verfasserinnen der Gottesdienstordnung. Und so erleben auch TouristInnen die Gruppe der Cookinseln, vor allem Aitutaki, das als Honeymoon-Insel beliebt ist. Insgesamt sind es 15 Inseln, die aufgereiht wie eine Perlenkette weit verstreut im Südpazifik liegen; Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig.
Paradies mit Schattenseiten
Doch dieses "Paradies" mit seinen nur etwa 15.000 BewohnerInnen hat auch Schattenseiten. Angefangen bei einer bis heute nachwirkenden Missions- und Kolonialgeschichte bis hin zur aktuellen Bedrohung durch den Klimawandel mit Zyklonen und Überflutungen. Hinzu kommt das Drängen der Industrienationen, die reichen Bodenschätze auf dem Meeresgrund zum Abbau freizugeben. Manche BewohnerInnen sehen den Tiefseebergbau positiv, da er ihnen hohe Einkommen verspricht, andere dageben sind besorgt oder ablehnend, weil die Schäden für das Ökosytem unabsehbar sind.
Als "most burning issue", als brennendstes gesellschaftliches Problem, bezeichnen ExpertInnen die weit verbreitete häusliche und sexualisierte Gewalt. Sie wird zumeist tabuisiert und ist daher auch in der Gottesdienstordnung nur vorsichtig angedeutet. Probleme werden möglichst nicht benannt. Und so wird auch nur zwischen den Zeilen deutlich, dass der auf den Inseln mit 32,9 weltweit höchste Body-Maß-Index (BMI) schwere gesundheitliche Folgen hat.
Stolz auf die eigene Maori-Kultur
Insgesamt hat das Christentum auf den Cookinseln eine hohe Akzeptanz, der christliche Glaube wird selbstverständlich praktiziert. Und das, obwohl die Missionare die Kultur der einheimischen Maori unterdrückten. So waren etwa Blumenkränze im Gottesdienst verboten, bis heute nicht wegzudenken aus dem Alltag der Menschen als Schmuck und Ausdruck ihrer Identität. Auch die Maori-Sprache war in der britischen Kolonialzeit nicht erlaubt. Heute ist der Stolz auf die eigene Kultur überall erkennbar. Maori-Worte und -Lieder durchziehen die Liturgie und erzählen vom Selbstbewusstsein und dem Lebensgefühl auf den Cookinseln: "Kia orana!" - ein gutes und erfülltes Leben, mit diesen Maori-Worten grüßen die Frauen zu Beginn des Weltgebetstagsgottesdienstes 2025. Sie laden uns ein zu erkennen, dass wir "wunderbar geschaffen" sind, aber sie fordern uns auch auf: "Lasst uns gemeinsam eine GROSSE Welle machen" - a BIG wave! Erstmal eine Atemübung, ja. Aber nach und nach wird deutlich, dass die weltweite große Welle beim Weltgebetstag auch auf eine solidarische neue Lebensweise abzielt: auf ein "betendes Handeln in der Welt" zum Erhalt der ganzen Schöpfung.